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BRAU UNION Österreich AG
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Bierkulturbericht 2009
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Was Bierkultur ist
D
as geht aus den im Jahr 2008
veröffentlichten Forschungen des
Münchner Evolutionsbiologen und
Ökologen Joseph Reichholf hervor: Die frü-
hen Menschen haben mit dem Ackerbau
begonnen, um sich eine Vorform des Bieres
zu brauen. Die Herstellung der ersten Brote
kam erst viel später, als man mehr Getreide
zur Verfügung hatte.
Mit dem Ackerbau kam die Kultur. Erst die
Agrikultur, dann all das, was wir heute an
kultureller Vielfalt kennen.
Freilich: An das, was wir uns heute unter
Bierkultur vorstellen, werden die ersten
Bauern und Brauer noch nicht gedacht
haben. Und vielen
ist auch heute nicht
bewusst, welche Be-
deutung die Bierkul-
tur hat. Der Mensch
ist ja geneigt, alle aktuellen Angebote für
eine Selbstverständlichkeit zu halten: Vor
drei Jahrzehnten konnten wir uns noch
nicht vorstellen, dass wir eines Tages alle
ein Handy haben würden – heute aber
reagieren wir mit großer Verärgerung,
wenn wir in ein Funkloch geraten. Genauso
selbstverständlich erscheint es uns, dass
wir jederzeit gute Biere zu einem fairen
Preis kaufen können.
Das ist es aber nicht. Man sieht das, wenn
man andere Länder mit weniger Bierkultur
aufsucht. Und man kann sich auch dunkel
daran erinnern, dass es auch bei uns vor
30 Jahren nicht annähernd jene Auswahl
und jene Qualität des Bieres gegeben hat,
die uns heute vertraut sind.
Versuchen wir, den Unterschied mit einem
Gleichnis festzuhalten: Was halten wir von
einem Menschen, der sich für einen Ge-
müseexperten hält, aber gleichzeitig ver-
sichert, nur Karfiol aus seiner Heimatre-
gion wäre das einzig genießbare Gemüse?
Was hielten wir von einem Gemüsehändler,
der eben nur jenen Karfiol anbieten wür-
de – hätte er einen fachlich anerkannten
Status als Spezialgeschäft? Und würden
wir nicht einen Bauern, der ausschließlich
Karfiol anbaut, wegen seiner Monokultur
schelten? Monokultur ist das Gegenteil von
wirklicher Kultur. Auch bei der Bierkultur:
Da freut es uns, wenn Brauer regionale und
überregionale Spezialitäten anbieten. Wir
freuen uns über ein breites Sortiment im
Handel, wo diese regionalen Marken ne-
ben nationalen und internationalen Mar-
ken angeboten werden – ähnlich wie beim
Gemüse, wo wir Karfiol und Karotten aus
unserer eigenen Region, Erdäpfel aus dem
Sauwald oder dem Waldviertel, aber auch
gelegentlich eine importierte Avocado oder
Aubergine schätzen.
So braucht es neben engagierten Brauern
und einem fachkundigen Handel auch in-
formierte Konsumenten, die zu schätzen
wissen, was die Vielfalt der Bierkultur aus-
macht.
Herzliches Prost, Conrad Seidl
am anfang War das Bier. hätte der mensch nicht das BierBrauen erfunden –
er Wäre Wahrscheinlich gar nicht sesshaft geWorden. er hätte keine städte
und keine staaten gegründet, keine opernhäuser und keine rechenzentren ge-
schaffen. und natürlich auch keine gasthäuser.
„hätte der mensch nicht das BierBrauen
erFunden – er wäre wahrscheinlich
Gar nicht sesshaFt Geworden.“