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BRAU UNION ÖSTERREICH AG
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Bierkulturbericht 2010
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in Bier ohne Glas – für viele
Menschen ist bereits der Ge-
danke alleine nur mehr schwer
nachvollziehbar. Auch in Österreich
schwören die Biergenießer auf das
Glas als Trinkbehälter. Für immerhin
63 Prozent der Österreicher ist die
Art des Glases beim Biertrinken „sehr
wichtig“ oder zumindest „eher wichtig“.
Zudem ist der Gedanke, dass man für
verschiedene Biersorten nur ein Ein-
heitsglas verwendet, hierzulande nicht
mehrheitsfähig. 62 Prozent bevorzu-
gen unterschiedliche Gläser für unter-
schiedliche Biere. Nur 24 Prozent der
Konsumenten finden mit einem Ein-
heitsbierglas ihr Auskommen.
Doch woher kommt die Vorliebe der
Biertrinker für den Werkstoff Glas als
Biertrinkgefäß? Bereits der römische
Gelehrte und Philosoph Plinius der
Ältere schilderte in seiner „Historia
naturalis“ vor mehr als 2000 Jahren
die Entdeckung des Glases. Die ältes-
ten Funde von Glas in Form von Per-
len gehen sogar in das Ägypten aus
dem Jahr 5000 v. Chr. zurück. Obwohl
viele Verfahren moderner Technik an-
gepasst wurden, sieht die Glasbläser-
pfeife heute fast noch genauso aus wie
in der Zeit vor Christi Geburt.
Im kunstvollen Umgang mit dem zer-
brechlichen Material Glas waren die
alten Römer wahre Meister. Leider
ging im Mittelalter viel Wissen verlo-
ren, galt doch der Kirche das Material
als heidnisch. Erst als die Venezianer
im Jahre 1204 während des vierten
Kreuzzuges Konstantinopel eroberten
und nicht nur Glas, sondern auch Glas-
bläser in die Lagunenstadt brachten,
begann auch in der westlichen Welt
der Siegeszug des edlen Materials.
Glas war aber ein Luxusgut und wahr-
scheinlich wurde deshalb daraus kein
Bier getrunken. Das Volksgetränk und
DAS BIERGLAS –
EINE LANGE GESCHICHTE
OBWOHL DER BIERGENUSS BEINAHE SO ALT IST WIE DIE ERSTEN MENSCHLICHEN HOCH-
KULTUREN, WAR ES EIN LANGER UND STEINIGER WEG, BIS SICH DAS GLAS ALS BIERGE-
FÄSS DURCHSETZTE. DIE FORMEN DER GEFÄSSE GLEICHEN HEUTE FREILICH NOCH JENEN
VON VOR VIELEN HUNDERTEN JAHREN.