Page 34 - bierkulturbericht-2010

Basic HTML Version

BRAU UNION ÖSTERREICH AG
|
Bierkulturbericht 2010
34
A
us dem richtigen Glas getrun-
ken sieht ein Bier nicht nur
formschöner aus, es schmeckt
auch besser. Deshalb ist es kein Wun-
der, dass sich ausgerechnet in Europa,
dem Kontinent mit tausenden Braue-
reien, eine gigantische Vielfalt an un-
terschiedlichen Biergläsern entwickelt
hat. Mit dem Siegeszug der Glaspro-
duktion im 19. Jahrhundert wurde
auch der Bierkultur neues Leben ein-
gehaucht. Plötzlich waren der Fanta-
sie keine Grenzen mehr gesetzt, was
wiederum zu zahllosen regionalen
Spezialentwicklungen führte.
In Köln etwa setzte sich die kleine, zy-
lindrische „Kölner Stange“ durch. Ein
ähnliches Glas, zylindrisch mit ma-
ximal 0,3 Liter Inhalt, jedoch etwas
gedrungener in der Form, setzte sich
im benachbarten Düsseldorf für Alt-
bier durch. Das „Stößchen“ hingegen
ist ein ähnlich schlankes, nach oben
hin breiter werdendes Glas. Das heute
auf 0,1 Liter geeichte Glas ist typisch
für Dortmund.
Auch in Österreich gibt es spezielle
Gläser für besonders kleine Biermen-
gen. In den meisten Gegenden spricht
man hierzulande bei einem 0,176 Liter
fassenden Glas von einem „Pfiff“.
Manchmal hat dieselbe Bezeichnung
auch eine völlig unterschiedliche Be-
deutung. Bestellt man in Österreich
ein Seidel, bekommt man ein „kleines
Bier“ (0,3 Liter). Ordert man freilich
ein Seidel in Altbayern und Franken
erhält man ein Bierglas mit einem In-
halt von 0,5 Liter. In Österreich wiede-
rum wird das 0,5-Liter-Bier als „Krü-
gerl“ oder „Halbe“ bezeichnet.
Das Krügerl ist auch das bekannteste
Bierglas der Alpenrepublik. 94 Prozent
der Bevölkerung wissen, was man sich
darunter vorstellen muss. Eine Biertul-
pe kennen 84 Prozent, das Weizenglas
82 Prozent. Die Bierflöte kommt hin-
gegen auf einen Bekanntheitsgrad von
71 Prozent, das Pfiffglas auf 65 Prozent.
Österreichs Bierkenner verwenden
unterschiedliche Gläser für unter-
schiedliche Biere vor allem aus zwei
Gründen: Ästhetik und Geschmack.
55 Prozent der Österreicher verwen-
den spezielle Gläser, weil es gut aus-
sieht. 42 Prozent argumentieren mit
geschmacklichen Gründen.
JEDEM BIER
SEIN PASSENDES GLAS
OB „KRÜGERL“, „SEIDEL“, „PITCHER“, „HALBE“, „MASS“, „PFIFF“ ODER „STIEFEL“ – SO
VIELFÄLTIG SICH DIE BRAUKUNST IN EUROPA PRÄSENTIERT, SO UNTERSCHIEDLICH
SIND AUCH DIE FORMEN UND BEZEICHNUNGEN FÜR BIERGLÄSER. UNTERM STRICH GILT
FREILICH AUCH IM EUROPÄISCHEN BIERUNIVERSUM DIE GRUNDREGEL: JEDEM BIER SEIN
PASSENDES GLAS!