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BRAU UNION ÖSTERREICH AG
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Bierkulturbericht 2011
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BRAU UNION ÖSTERREICH AG
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Bierkulturbericht 2011
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C O N R A D S E I D L
Wankender Mythos Reinheitsgebot.
Herkunft hingegen für ganz und gar nicht
wichtig. Besonders hoch ist die Zustim-
mung für österreichische Inhaltsstoffe da-
bei bei älteren, erfahrenen Biertrinkern
über 50 Jahre. Interessanterweise legen
Frauen einen größeren Wert auf heimische
Bier-Ingredienzien als Männer.
Auch regional gibt es innerhalb Österreich
bei der Frage der Herkunft Unterschiede.
Besonders hoch ist die Affinität zu österrei-
chischem Wasser, Hopen und Malz dabei in
Südösterreich. 46 Prozent der Bevölkerung
hält dort die österreichische Herkunft der
Inhaltsstoffe für „sehr wichtig“. Zum Ver-
gleich: In Westösterreich sind es 37, in Ost-
österreich 34 Prozent.
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opfen und Malz – Gott erhalt’s.
Die Reihenfolge der Zutaten
im Leitspruch aller Biertrinker
kommt nicht von ungefähr, denn Hopfen ist
der bekannteste Inhaltsstoff von Bier. So
fragte die Studie „Bierkultur in Österreich“
auch das Wissen der Österreicher um die
einzelnen Bestandteile von Bier ab. Auf die
Frage „Aus welchen Rohstoffen wird Bier
gemacht?“ nannten 61 Prozent zuallererst
Hopfen.
Der Anteil von Hopfen an der Herstellung
von Bier erscheint mit 150 bis 400 Gramm
pro Hektoliter Bier zwar gering, dennoch
gilt der Hopfen als die „Seele des Biers“.
Denn ohne diesen Rohstoff wäre weder
die Haltbarkeit des Getränks noch der cha-
rakteristische, erfrischende Bitterton beim
Bier gegeben. Auch für die Schaumkrone
bei einem frisch gezapften Bieres ist der
Hopfen verantwortlich.
Angesichts der Popularität von Hopfen ist
es umso überraschender, dass nur 23 Pro-
zent der Österreicher den Hopfen für die
Bitterkeit von Bier verantwortlich machen.
Fälschlicherweise glauben 44 Prozent der
Bevölkerung, dass die Bitterkeit von der
Hefe herrührt. 19 Prozent geben sogar dem
Wasser die „Schuld“ für die charakteri-
stische Bitterkeit des Gebräus.
Hopfen zählt zur Gattung der Hanfpflan-
zen. Zum Brauen werden ausschließlich die
Dolden der weiblichen Pflanzen verwendet.
Hopfen wächst in der Zeit von Anfang Mai
bis Anfang Juli bis zu 30 Zentimeter pro
Tag und erreicht eine satte Höhe von sie-
ben Metern. In Österreich wird Hopfen vor
allem im oberösterreichischen Mühlviertel
sowie im südsteirischen Leutschach ange-
baut. Insgesamt beträgt die gesamte Anbau-
fläche von Hopfen in Österreich gerade mal
217 Hektar. Global spielt die Alpenrepublik
in Sachen Hopfenanbau somit nur eine
sehr untergeordnete Rolle. Weltmarktfüh-
rer ist das Mutterland des Bieres, nämlich
Deutschland. Unser nördlicher Nachbar
verfügt über eine Anbaufläche von 18.472
Hektar, was ungefähr 35 Prozent der Welt-
anbaufläche entspricht.
Generell legen heimische Bierkonsumenten
Wert auf österreichische Inhaltsstoffe im
Bier. Das zeigen auch die Ergebnisse der
Studie „Bierkultur in Österreich“. Demnach
bezeichnen 38 Prozent der heimischen Be-
völkerung die österreichische Herkunft
von Bierrohstoffen als „sehr wichtig“. Wei-
tere 27 Prozent halten sie „eher wichtig“.
Damit spricht sich eine statte Mehrheit von
65 Prozent ganz klar für österreichische
Inhaltsstoffe aus. Gerade mal elf Prozent
der Befragten halten die österreichische
Hopfen – kleiner Helfer
mit groSSer Wirkung.
Klein aber oho. Hopfen wird zwar beim Bierbrauen nur in vergleichsweise ge-
ringen Mengen verwendet, seine Wirkung ist dennoch für den Geschmack und
die Haltbarkeit entscheidend. Kein Wunder also, dass Hopfen der mit Abstand
bekannteste Inhaltstoff von Bier ist.
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2.1
2.2
2.3
2.4
Fast alle haben schon davon gehört:
Für Bier gibt es ein so genanntes
„Reinheitsgebot von 1516“ – und nach diesem darf Bier nur aus Wasser,
Malz und Hopfen hergestellt werden. Da ist etwas dran, allerdings stimmt
fast nichts von dem vorher Gesagten völlig. Wahr ist: Am 23. April 1516
hat der bayerische Herzog Wilhelm IV. eine Verordnung erlassen, in der
Bierpreise und Bierzutaten geregelt wurden. Wer aber zu wissen meint,
dass in jener Verordnung stünde, dass man zum Bierbrauen Malz ver-
wenden müsse, der hat den Text nicht gelesen. Und wer entschuldigend
meint, der Herzog habe die Hefe als Bierzutat nicht erwähnen können,
weil die Hefe damals noch nicht bekannt gewesen ist, der hat sich mit der
Biergeschichte zu wenig befasst: Es war ein Streit um die Hefe, der die
herrschaftliche Aufmerksamkeit überhaupt auf das Bier gelenkt hat. Und
dem Herzog ist es auch gar nicht um die „Reinheit“ des Bieres gegangen
(das Wort „Reinheitsgebot“ findet man erstmals in den 1920er Jahren),
sondern um Protektionismus: Bayerischer Hopfen sollte statt importierter
Gewürze ins Bier. Und Gerste sollte für die Biere der einfachen Leute ver-
wendet werden – nur für seinen eigenen Wirkungsbereich machte der
Herzog (wie alle seine Nachfolger) eine Ausnahme und genehmigte sei-
nen Günstlingen die Produktion von Weizenbier.
Der Mythos des Reinheitsgebots, dessen Ur-Text das Brauen von
Weizenbier untersagt hatte, wird zwar in Deutschland hochgehalten, in
Österreich bröckelt er dahin: Nur 54 Prozent meinen, dass Bier unbe-
dingt reinheitsgebotskonform gebraut werden müsse, unter jüngeren
Befragten glaubt das nur noch ein Drittel.
Dabei muss man wissen: Es gibt schon gute Gründe, warum man
im 16. Jahrhundert das Brauen mit Gerste so gefördert hat: Gerste
ist nämlich – anders als Weizen und Roggen – für die Brotproduktion
denkbar ungeeignet. Die Spelzen (harte Häutchen, die das Gerstenkorn
umschließen) würden im Brotteig stören, im Brauprozess aber sind sie
sehr wichtig: Sie helfen beim Läutern, die flüssige Bierwürze von den
festen Malzbestandteilen (den so genannten Trebern) zu trennen. Mit der
Forcierung der Braugerste konnte also nicht nur mögliche Spekulation
mit Brotgetreide eingeschränkt werden, gleichzeitig kam man der Brau-
technologie entgegen – Bauern züchteten nun spezielle Gerstensorten
für das Vermälzen und anschließende Brauen. Auch in Österreich wird
laufend neue Braugerste gezüchtet – Brauer und Mälzer können damit
bestehende Braurezepte verbessern und neue Biere kreieren. Auch die
Bierkonsumenten denken da recht patriotisch: 38 Prozent halten es für
sehr wichtig, dass österreichisches Bier auch aus heimischen Rohstoffen
gebraut wird – aber noch wichtiger ist, dass die Qualität passt.
Ähnlich ist es mit dem Hopfen: Früher war er nur einer der möglichen
Bitterstoffe, die dem Bier zur Verbesserung der Haltbarkeit zugesetzt
wurden. Dann hat man sich darauf konzentriert, möglichst viel Hopfen
ins Bier zu bekommen, weil man es so noch haltbarer machen konn-
te. Seit einigen Jahrzehnten gibt es da allerdings einen Wandel – auch
weil moderne Brautechnik die Biere auch ohne exzessive Hopfung ge-
schmacksstabil macht. Heutige Biere sind daher meist deutlich weniger
bitter als ihre historischen Vorbilder – gleichzeitig hat sich beim Hopfen
eine Spezialisierung herausgebildet. Neue Hopfensorten, manche mit
ganz überraschenden Aromen, haben die Biervielfalt bereichert. Und
langsam werden auch die Tugenden anderer Bierzutaten wiederent-
deckt. Zum Wohle der Biervielfalt.
Vielfältiges Leistungsspektrum
• Zustellung von Inventar und Festausstattung
• Lieferung innerhalb von 24 Stunden
• Anlieferung durch bekannte Mitarbeiter (max. vier verschiedene Bierführer pro
Kunde)
• Einlagerung der Ware durch den Bierführer
• Sofortiger Gebindetausch/Leergutrücknahme
• Bei Auslieferung wird eine Rest-Mindesthaltbarkeit von bis zu vier Mona-
ten garantiert
• Ermöglichung einer Selbstabholung (Montag bis Freitag 8.00 bis 18.00 Uhr und
Samstag 8.00 bis 12.00 Uhr)
• Bei Bedarf wird das Fass und die CO
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Flasche an die Schankanlage angeschlossen
Die BRAU UNION fördert in vielen Bereichen die Bierkultur in Österreich. Ziel ist,
die Brau- und Bierkultur in Österreich zu entwickeln um Österreich zum Land mit
der besten Bierkultur in Europa zu machen. Das kann die BRAU UNION ÖSTER-
REICH aber nur in gemeinsamer Anstrengung mit all ihren Partnern, so auch mit
ihren Partner in der Gastronomie, schaffen. Um diesem Anspruch gerecht zu
werden, stellt die BRAU UNION ÖSTERREICH sicher, dass Fassbier sorgfältig und
nach höchster Kunst gezapft wird. Dafür stellt die BRAU UNION ein umfangreiches
Paket an Serviceleistungen für ihre Partnerbetriebe bereit.