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BRAU UNION ÖSTERREICH AG
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Bierkulturbericht 2011
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BRAU UNION ÖSTERREICH AG
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Bierkulturbericht 2011
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Bierkultur braucht
kundige BiergenieSSer.
W
o fängt Bierkultur an? Histo-
risch damit, dass steinzeitliche
Bauern den Wert des Acker-
baus erkannt haben – und aus ihren Acker-
früchten die ersten Biere gebraut haben.
Für den Biergenießer damit, dass sein Bier
in ein passendes Glas gezapft und schön
serviert wird. Das waren Themen, die in
den ersten beiden Bierkulturberichten an-
geschnitten wurden – beide Berichte haben
gezeigt, wie ausgeprägt die Bierkultur in
Österreich ist, wie selbstbewusst Biertrin-
ker sein können, wie viel Bierbrauer und
Gastronomen dafür leisten.
Sie haben auch gezeigt, dass die Bierkultur
noch weiter gehoben werden kann. Auch
dieser Bericht ist nicht einfach Selbst-
beweihräucherung: Ja, es gibt viel gutes
Bier in Österreich. Es gibt hervorragende
Brauer, engagierte Gastronomen und kun-
dige Bierfreunde. Es gibt aber auch Selbst-
gewissheit und Selbstüberschätzung auf
der einen sowie Ignoranz und Desinteresse
auf der anderen Seite. So sagen etwa drei
von vier Männern in der dem heurigen
Bierkulturbericht zugrunde liegenden
Market-Studie stolz von sich, dass sie keine
nähere Beschreibung verschiedener Biere
brauchen, weil sie sich ohnehin auskennen.
Fragt man aber detaillierter nach, so zeigen
viele dieser selbsternannten Bierkenner
erstaunliche Wissenslücken: 77 Prozent
von ihnen geben keine Antwort darauf,
von welchem Rohstoff es wohl abhängt, ob
ein Bier obergärig oder untergärig ist, nur
12 Prozent geben die korrekte Antwort,
dass das von der Hefe abhängt. Diejenigen,
die sich genauere Beschreibungen von
Bierenauf Bierkarten
und Etiketten wün-
schen, schneiden bei
diesem Test – wenn
auch nur knapp –
besser ab. Auch dass Hopfen die für die
Bittere des Bieres hauptverantwortliche Zu-
tat ist, wissen nur unterdurchschnittliche
22 Prozent der angeblichen Kenner.
Dieselbe Frage zeigt einen weiteren er-
staunlichen Aspekt auf: Die für diesen Bier-
kulturbericht repräsentativ ausgewählten
Frauen wissen über den Hopfen deutlich
besser Bescheid als die ebenso repräsen-
tativ ausgewählten männlichen Befragten,
Jüngere sind der Sache tendenziell näher
als Senioren. Das beweist, dass die Bier-
kultur im Umbruch ist, dass jüngere Kon-
sumenten (und vor allem Konsumentinnen)
heute kundiger ans Bier herangehen – und
ihr Wissen auszubauen bereit sind: Es sind
die neuen Biertrinker, die vielleicht nicht
so routiniert und vielleicht auch nicht in
allzu großen Mengen Bier trinken, die aber
umso mehr danach verlangen, dass ihnen
das richtige Bierangebot gemacht wird.
Und die wünschen, dass ihnen erklärt wird,
warum dieses Bier zu der einen und jenes
Bier besser zu der anderen Speise passt.
Hier eröffnen sich neue Möglichkeiten für
die Gastronomie – etwa durch die hohe
Beratungskompetenz diplomierter Biersom-
meliers – und für die Brauereien selbst:
Gute Bierkarten und Bieretiketten mit sinn-
vollen, nachvollziehbaren Beschreibungen
können dem Bier neue, kundige Freunde
gewinnen.
Und sie können auch denen auf die Sprün-
ge helfen, die dieses Informationsangebot
angeblich nicht brauchen. Tatsächlich ist
ja die Bierkultur abhängig davon, dass
es nicht nur ein vielfältiges, gut beschrie-
benes Bierangebot gibt, sondern dass auf
der Konsumentenseite interessierte, sach-
kundige und begeisterungsfähige Genießer
dieses Angebot auch annehmen.
Mit seinem Schwerpunkt auf Bierroh-
stoffen versucht dieser 3. Österreichische
Bierkulturbericht, Wissenslücken zu schlie-
ßen und Ansätze aufzuzeigen, den Genuss
zu erhöhen.
Herzliches Prost!
Conrad Seidl
„die bierkultur befindet sich im umbruch,
jüngere konsumenten gehen kundiger ans bier heran.“