Frisches Bier als Luxus
Mittlerweile zählt es zur Normalität, jederzeit ein frisch gekühltes Bier zur Verfügung zu haben. Anders war es jedoch in Zentraleuropa im Mittelalter, wo die Produktion von Bier einige Hürden mit sich brachte. Da es zu dieser Zeit wohlgemerkt an jeglicher Art von Kühltechnologie mangelte, war es schlicht unmöglich, im Sommer Bier zu brauen. Die hohen Temperaturen würden dem Bier zu sehr zusetzen und seine Qualität negativ beeinflussen. Also wurde ein Bierproduktionsverbot in den Sommermonaten umgesetzt, das das Brauen auf den Zeitraum zwischen Michaeli (29. September) und Georgi (23. April) einschränkte. Nur der Verkauf und Konsum von Lagerbeständen war erlaubt. Der sogenannte Brausilvester am 30. September implizierte den Anfang eines neuen Braujahres, der zwar nicht wie heute gefeiert wurde, aber dennoch von großer symbolischer Bedeutung für die Wirtschaft war.
Die Revolutionierung der Bierproduktion
Die Abschaffung des jahreszeitlich gebundenen Bierbrauens erfolgte im Jahr 1841, als der österreichische Brauherr Anton Dreher die Bierherstellung maßgeblich veränderte. Sein Bierstil „Wiener Lager“ ist heute international bekannt. Er übernahm zwei Jahrzehnte nach dem Tod seines Vaters dessen Brauerei Klein Schwechat. Durch längere Erkundungsreisen, die ihn nach England und Schottland führten, konnte er viel Wissen über Brautechniken in die Tat umsetzen. Anton Dreher revolutionierte das Brauwesen, indem er erstmals ein untergäriges Bier nach modernen Methoden herstellte, das dank verbesserter Kühlmöglichkeiten auch in den Sommermonaten gebraut werden konnte. Als erster Brauer in Wien setzte er zudem ein Thermometer und ein Saccharometer ein – Messinstrumente, die bis heute zu den unverzichtbaren Werkzeugen der Brauindustrie zählen. Mithilfe eines in Kellern durchgeführten Nachreifeprozesses wurde die Haltbarkeit zudem verlängert. Seit diesem Ereignis findet das Bierbrauen in Österreich sowie im Rest der Welt zu jeder Saison statt und lässt Bierliebhaber: innen nicht mehr zu kurz kommen.